Deutsche Kraftwerke weltweit gefragt

 

Die deutschen Hersteller von Kraftwerks- und Turbinentechnik haben ihren Umsatz wegen der hohen Nachfrage aus Wachstumsregionen in Asien und am Persischen Golf im vergangenen Jahr deutlich gesteigert.

Die Erlöse seien um 15 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro geklettert, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit. In Deutschland hingegen, wo der Kraftwerksbau auch wegen politischer Widerstände ins Stocken gerät, seien die Erlöse leicht von 2,4 auf 2,15 Milliarden Euro zurückgegangen.

„Durch den weltweiten Hunger nach Energie boomt die Nachfrage in allen Regionen“, sagte Frank Stieler, der die Gas- und Dampfturbinenhersteller im VDMA vertritt. Der Manager von Siemens Energy warnte davor, Vorhaben in Deutschland zu verschieben. „Wenn die anstehenden Projekte jetzt realisiert werden, können die Hersteller auch liefern. Die Unternehmen arbeiten absolut an ihrer Kapazitätsgrenze.“

In Deutschland sollen in den nächsten Jahren zahlreiche alte Kraftwerke ersetzt werden. Wegen des geplanten Ausstiegs aus der Atomenergie müssen zusätzliche Anlagen ans Netz gehen. Zugleich schießen die Preise in die Höhe. Werkstoffe wie Stahl haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Die Betreiber von Kohlekraftwerken müssen überdies auf politischen Druck wesentlich höhere Kosten für Rechte zum Ausstoß von Kohlendioxid einkalkulieren. Hinzu kommt Widerstände von den Bürgern gegen neue Kraftwerksbauten. Für Aufsehen sorgte jüngst das Scheitern eines RWE-Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf. RWE wollte dort für rund 2 Milliarden Euro ein großes Kohlekraftwerk bauen.

Im laufenden Jahr will die Branche ihren Umsatz erneut um 15 Prozent steigern. Im Ausland sei ein Wachstum von 18 Prozent möglich, im Inland seien bis zu 5 Prozent drin, sagte VDMA-Power-Systems-Geschäftsführer Thorsten Herdan. Die Betriebe wollten ihre Kapazitäten weiter ausbauen. Vor allem in China werde in den kommenden Jahren die Nachfrage stark steigen. Die von der Finanzmarktkrise gebeutelten USA spielten eine untergeordnete Rolle.

Die Branche ist wie der gesamte Maschinenbau mittelständisch geprägt. Insbesondere bei Zulieferern etwa von Wellen und Lagern dominieren kleinere Unternehmen den Markt. Die großen Anlagen werden hingegen von Konzernen wie Siemens, Alstom oder MAN Turbo gebaut. Rund 22 000 der 78 500 Beschäftigten arbeiten in Deutschland.

Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung - 21. Mrz.2008