ROM - „In den kommenden fünf Jahren werden wird den Grundstein für den Bau einer Anzahl Kernkraftwerke der neuesten Generation legen“, erklärte gestern der neue italienische Industrieminister Claudio Scajola. Ein entsprechender Aktionsplan sei „unumgänglich“. Scajola bestätigte damit eine Andeutung, die Regierungschef Silvio Berlusconi bereits in seiner Regierungserklärung gemacht hatte: Italien soll zur Produktion von eigenem Atomstrom zurückkehren.
Derzeit ist in Italien kein einziges Kernkraftwerk in Betrieb. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vom 26. April 1986 sprachen sich in einem Referendum 89,7 Prozent der Italiener für den Ausstieg aus der Atomkraft aus. In der Folge wurden sämtliche Atompläne auf Eis gelegt und die bestehenden vier Atomkraftwerke stillgelegt.
Der Atomausstieg hatte den Staat nicht nur rund 11 Milliarden Euro an Entschädigungen und anderen Aufwendungen gekostet, sondern auch zu einer starken Abhängigkeit von Stromimporten – insbesondere aus Frankreich und der Schweiz – geführt. Italien muss rund 13 Prozent des benötigten Stroms einführen, was das Handelsdefizit laut Scajola jährlich mit 60 Milliarden Euro belastet. Italien zählt außerdem zu den EU-Ländern mit den höchsten Strompreisen.
Zu einem Spaziergang dürfte der Bau neuer Kernkraftwerke für die Regierung Berlusconi jedoch nicht werden. Laut einer im vergangenen Herbst durchgeführten Umfrage steht nach wie vor eine knappe Mehrheit der Bevölkerung der Atomenergie ablehnend gegenüber.
Quelle: Märkische Allgemeine - 22. Mai 2008