Mit dem zweiten Anlauf hat der französische Stromkonzern EDF eine Einigung mit den Aktionären von British Energy erreicht undkann den britischen Energielieferanten demnach übernehmen.
Nach Angaben aus Unternehmenskreisen berief EDF eine Verwaltungsratssitzung zu dem Thema ein.
Der Konzern lud für Mittwoch zu einer Pressekonferenz, auf der die Transaktion wahrscheinlich bekannt gegeben wird. Nach Schätzung von Unternehmensexperten hat die Übernahme ein
Volumen von rund 15,6 Mrd. Euro, die EDF teilweise in bar, teilweise in Aktien zahlt.
Die Franzosen sahen sich bereits Ende Juli kurz vor einer Übernahme des britischen Konzerns. Das Geschäft wurde dann aber in letzter Minute von zwei Fonds blockiert, die als British-Energy-Großaktionäre mit den Konditionen nicht einverstanden waren.
EDF besserte die Offerte daraufhin nach langen Verhandlungen nach. Der staatlich beherrschte Konzern aus Frankreich kauft British Energy, um sich eine führende Rolle beim Ausbau der Atomkraft zu sichern - auf der britischen Insel, aber auch anderswo.
British Energy besitzt acht der zwölf Atomkraftwerke des Landes. An diesen Standorten sind neue Anlagen geplant, von deren Bau sich EDF ein großes Geschäft mit dem von den Franzosen propagierten Druckwasserreaktor EPR erhofft.
EDF steht im Mittelpunkt der Atomkraft-Offensive, die Staatspräsident Nicolas Sarkozy angekündigt hatte – ungeachtet einer Reihe von Atomunfällen im Land. Die britische Regierung als bisheriger Hauptaktionär von British Energy leite den Verkauf des Konzerns mit dem Ziel ein, die veralteten Atomkraftwerke des Landes zu erneuern.
EDF ist bisher schon einer der führenden Stromanbieter in Großbritannien. Nach der Übernahme ist offenbar auch geplant, den Stromanbieter Centrica an British Energy
zu beteiligen. EDF liefert sich derzeit in den USA eine weitere Übernahmeschlacht mit ähnlichen Zielen. Es geht um den Stromanbieter Constellation, an dem EDF bereits mit knapp
zehn Prozent beteiligt ist. Als Constellation vergangene Woche infolge der Finanzkrise in Liquiditätsnöte gekommen war, hatte Investor Warren Buffett zugegriffen und ein Übernahmeangebot abgegeben. Doch inzwischen legte EDF im
Verein mit den Finanzinvestoren TPG und KKR ein konkurrierendes Gebot auf.
Obgleich diese Offerte etwa um ein Drittel höher liegt als die von Buffett, präferiert Constellation bislang öffentlich das Angebot des US-Investors.
24.09.2008 Financial Times Deutschland